Wenn sich die Welt um Kates Brüste dreht

Wie krank ist eine Welt, die Fotografen „nur“ dafür bezahlt, dass sie so genannt öffentliche Personen in einer peinlichen Situation oder eben in ihrer natürlichsten Art versuchen zu fotografieren?
Dieser Beitrag erschien in Ausgabe Nr. 9

Es scheint an der Zeit zu sein, eine alte Geschichte der Wissenschaft umzuschreiben. Wir lernen zwar nach wie vor, dass sich unsere Erde um die Sonne dreht, doch wer die letzten Tage und den Run um zwei Brüste verfolgt hat, der muss zwangsläufig die Fakten über unser Sonnensystem in Zweifel ziehen. Zumindest die Welt der Voyeure dreht sich momentan um eine Körperpartie von Herzogin Kate. Damit stellt sie ihre Schwester Pippa, welche wegen eines anderen Körperteils immer wieder Aufsehen erregt, locker in den Schatten. Sogar Prinz Harry hat mit seinem Nachauftritt das Nachsehen.

Warum erregt ein Mensch in seinem natürlichsten Zustand solches Aufsehen. Noch nie einen Menschen nackt gesehen, könnten wir uns Voyeuren zurufen. Wie krank ist eine Welt, die Fotografen „nur“ dafür bezahlt, dass sie so genannt öffentliche Personen in einer peinlichen Situation oder eben in ihrer natürlichsten Art fotografieren? Während in Grossbritannien diese spezielle Art der Unterhaltung zumeist von den Royals abgedeckt werden, müssen Staaten ohne Monarchen diese Lücke mit anderen Protagonisten füllen. Keine leichte Aufgabe und wer weiss, vielleicht mit ein Grund warum sich Great Britain sich die Monarchie noch leistet. Denn Politiker eignen sich nur sehr bedingt dafür, bekannte Wirtschaftsgrössen sind auch nicht gerade der Quotenrenner. Die JUSO konnte zwar mit einem Plakat Marke Eigenbau und einem eher leicht bekleideten Daniel Vasella ein bisschen Aufsehen gewinnen, doch die ganz grosse Quote ist damit nicht zu machen. Missen und ehemalige Missen sind hierzulande schon eher geeignet, voyeuristische Stimmung anzuheizen.

Ich wette darauf, dass Kates Brüste ähnlich aussehen wie viele Millionen anderer Frauen, trotzdem sorgt dieser Körperteil sogar für gedruckte Sonderausgaben. Wäre es nicht angebracht, allen Käufern dieser Ausgaben noch einen Sexkoffer Made in Switzerland als gratis Geschenk abzugeben. Der pädagogische Nutzen ist natürlich schwierig abzuschätzen, aber vielleicht würde der Sexkoffer zu unserem neuen Exportschlager nach dem Sackmesser und der Schokolade. Manchmal zweifle ich daran, ob die sexuelle Aufklärung in unseren angeblich aufgeklärten Ländern tatsächlich flächendeckend stattgefunden hat? So lange sich die Welt um Kates Brüste und Pippas Allerwertesten dreht, stelle ich diesen Umstand in Frage.

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