Retro-Gamer reanimieren Kindheitserinnerungen

Indie-Entwickler setzen bei der Finanzierung von Computer-Spielen auf die Gamer-Community. Auf Crowdfunding-Plattformen sind insbesondere Remakes von beliebten Klassikern extrem erfolgreich.
Dieser Beitrag erschien in Ausgabe Nr. 10

Es gibt Videospiele, die für Gamer mehr sind als ein bloßer Zeitvertreib. Spätestens seit Games in Deutschland in den Rang des Kulturgutes erhoben wurden, wird diese Einschätzung auch von offizieller Stelle geteilt. Diese Wertschätzung wird von Videospiele-Kennern der ersten Stunde durchaus auch rückwirkend erbracht. Das ist folgerichtig, denn warum sollten Klassiker der Game-Historie nicht ebenso mit Erinnerungen besetzte Zeitzeugnisse sein dürfen wie Musik oder Filme?

Die Hingabe der Retro-Gamer kennt keine Grenzen (kleines Beispiel gefällig?). Kein Wunder also, dass der Bereitschaft zum Mäzenatentum durch den Crowdfunding-Gedanken Flügel verliehen wurden. Auf kickstarter oder der frisch online gegangenen Plattform Gambitious versuchen Indie-Developer, ihre Projekte mit Hilfe von spendablen Gamern vorzufinanzieren. Auch Spiele-Riese EA springt auf den Zug mit auf und bietet die hauseigene Download-Plattform Origin für drei Monate kostenfrei zum Vertrieb von crowd-finanzierten Games an. Die Vorteile für kleine Entwickler-Firmen liegen auf der Hand. Die Vorfinanzierung macht die Entwicklung eines Titels überhaupt erst möglich und das finanzielle Risiko bleibt überschaubar. Zudem ist die Einschätzung der Beliebtheit eines Titels schon vor dem Launch teilweise möglich.

Der absolute No-Brainer für Entwickler scheinen Sequels von Retro-Games zu sein. Wasteland 2, die Fortsetzung eines dystopischen Rollenspiels von 1988, erzielte schlanke 2.933.252 US-Dollar von 61.290 Unterstützern, sogenannten „Backers“. Damit wurde mehr als das Dreifache des anvisierten Zielbetrages erreicht. Weniger überraschend, wenn auch nicht minder gigantisch, ist der Erfolg von Shadowrun returns. Das auf einem beliebten Pen and Paper-Rollenspiel basierende und erstmals für Super Nintendo und Sega Genesis erschienene Spiel verfügt über eine eingeschworene Fan-Gemeinde, die förmlich darauf brennt, ihr Abenteuer in frischem Design auf PC und dem Tablet zur Verfügung zu haben. Als nächstes Retro-Funding-Projekt ist das Project Giana gestartet. Die deutschen Entwickler von Black Forest Games wollen dem legendären Super Mario-Abklatsch Giana Sisters ein gehöriges Lifting verpassen und arbeiten völlig neue Ideen in das Gameplay mit ein. Den Retro-Nerds sei gesagt, dass sogar Commodore-Soundmaestro Chris Hülsbeck für das Project Giana gewonnen werden konnte.

Der Erfolg der Crowdfunding-Projekte beliebter Retro-Titel mag Zocker-Herzen höher schlagen lassen. Bleibt zu hoffen, dass bei aller Nostalgie der Trend zur Retrospektive nicht der Entwicklung der Klassiker von übermorgen im Wege steht. Denn der zweite Shadowrun-Titel ist bereits an (Kick-)Start gegangen.

Kommentare

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Daniel Rei schrieb am 14. September 2012 um 22:44
Der Trend zu Retro hat auch die grossen Publisher erfasst: Es vergeht kaum eine Woche, in der nicht auf irgendeiner Download-Shop-Plattform ein Remake eines älteren Spiels erscheint, mit aufgemotzter HD-Grafik, um auch die Digital Natives von heute für die alten Schinken zu begeistern. Auch bei Nintendos 3DS oder Wii U scheint momentan das Motto «more of the same» zu herrschen: lieber nochmals einen Super-Mario-Aufguss auf den Markt werfen. Das kaufen die Leute mit Sicherheit. Etwas Innovatives herausgeben hiesse, sich finanziell aufs Glatteis zu begeben. Das können sich Nintendo, Microsoft und Sony nicht leisten. Deshalb freue ich mich auf die Pixels, Double Fines, Nigoros und Nyfflas von morgen.

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Patrik Welzel

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