Gott und das Parlament

"Das Parlament ist nicht Gott", sagte ein katholischer Würdenträger am französischen Radio, um die neue Kampagne seiner Kirche gegen gleichgeschlechtliche Ehe und Adoption zu rechtfertigen.
Dieser Beitrag erschien in Ausgabe Nr. 10

Ein entsprechendes Gesetz der neuen Regierung Hollande ist in der Vernehmlassung. Man kann dafür oder dagegen sein. Aber warum das Parlament in Frage stellen? Es hat weltliche Aufgaben:  mit Gesetzen die Gesellschaft organisieren, den Staat definieren und den Bürgern Rechte garantieren. Es - nicht Gott - ist zuständig für die Frage der homosexuellen Gleichberechtigung. -  Wer das Parlament diskreditiert, schadet der Demokratie. Frankreich ist seit 1905 ein laizistischer Staat. Gott ist Privatsache. Aber der Staat schützt umgekehrt die Religionsfreiheit. Es war ein langer Kampf von der Aufklärung, der Revolution und den Menschenrechten bis zur modernen westlichen Demokratie. - Diese historischen Voraussetzungen sind in den islamischen Länder nicht gegeben. Die "arabische Revolution" kämpfte zwar für die Demokratie. Aber die arabischen Tyrannen und die Vorstellung vom "Gottesstaat" sind noch zu mächtig. Doch hier ist es umgekehrt. "Gott ist das Parlament", sagen sich Islamisten oder Salafisten, welche die "arabische Revolution" und die Parlamente in Ägypten, Tunesien und anderen Ländern usurpiert haben oder usurpieren wollen. Über das Parlament versuchen sie die Verhinderung der Demokratie mit ihren Menschenrechten durch die Scharia. - Dort wie hier aus Machtgelüsten ein Missbrauch Gottes, ein Missbrauch der Demokratie.

Kommentar schreiben

Mit Klick auf „Senden" bestätige ich die Einhaltung der Autorenrichtlinien. Dieser Beitrag darf im Mag20 publiziert werden.

Um selber einen Kommentar abgeben zu können, müssen Sie sich hier Einloggen oder Registrieren. Bitte beachten Sie die für Leserkommentare geltenden Autorenrichtlinien.

Ulrich Meister

Journal21 - Journalistischer Mehrwert. Nicht im Mainstream schwimmen.
1 Beiträge gedruckt
1 Beiträge online

Facebook

Mag20 auf Twitter